Füttern: Geburt bis 6 Monate
von Dr. Bettye M. Caldwell
Dem Füttern kommt bei der Versorgung Ihres Babys die größte Bedeutung zu – und zugleich ist viel Unsicherheit damit verbunden. Zu viele Ratschläge prasseln auf junge Eltern ein – von Verwandten, Schwiegereltern, Freunden und sogar von entfernten Bekannten – und viele der Informationen widersprechen sich. Darüber hinaus ändern sich auch die von Ernährungswissenschaftlern ausgegebenen Regeln ständig, was es noch schwieriger macht zu entscheiden, was das Beste für Ihr Baby ist. Dennoch gibt es einige allgemeingültige Regeln: 

  • Vertrauen Sie auf Ihre Intuition. Wenn sich etwas nicht richtig anfühlt oder wenn etwas Ihrem Baby nicht gut bekommt, dann ist es nicht das Richtige für Sie.
  • Hören Sie nur auf Empfehlungen von Fachleuten auf dem Gebiet der Kindergesundheit. Die Dinge ändern sich, und Fachleute halten sich hinsichtlich neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse auf dem Laufenden.
  • Seien Sie stark genug, um an Ihrem Plan festzuhalten, aber zeigen Sie sich dankbar denen gegenüber, die Ihnen helfen möchten. Bedenken Sie, dass Sie eines Tages einen Babysitter brauchen werden.
Die folgenden Hinweise sollen Ihnen als Leitfaden dienen. Manche Babys entwickeln sich schneller als andere, obwohl viele zu früh geboren wurden und darauf geachtet werden sollte, dass sie sich langsam und gemäß ihres „korrigierten“ Alters entwickeln. Jedes Baby ist anders, dieser Leitfaden kann also lediglich eine Orientierungshilfe sein. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie Ihren Kinderarzt oder eine(n) Berater(in) für Kinderernährung um Rat.

Erste Nahrung: Muttermilch ist die empfohlene und bevorzugte erste Nahrung für alle Babys, und sowohl Kinderärzte als auch die meisten professionellen Gesundheitsorganisationen raten dazu. Industriell hergestellte Säuglingsmilchnahrung ist die zweite Wahl, und auch damit werden sich die meisten Babys gut entwickeln. Egal, für welche Ernährungsform Sie sich entscheiden, Muttermilch oder Säuglingsmilchnahrung enthält alles, was Ihr Baby in den ersten fünf bis sechs Lebensmonaten braucht.

Bei der Geburt hat der Magen eines Babys die Größe einer Murmel, und im Alter von zehn Tagen ist er etwa so groß wie ein Tischtennisball! Je älter Ihr Baby wird, desto elastischer wird sein Magen, sodass er sich bei der Nahrungsaufnahme dehnen kann. Neu geborene Babys sind auf acht bis zwölf Mahlzeiten in 24 Stunden „programmiert“. Babys, die gestillt werden, trinken häufiger, weil Muttermilch leichter verdaulich ist, während Babys, die Säuglingsmilchnahrung bekommen, etwa alle drei Stunden gefüttert werden müssen. Unabhängig davon, was Sie füttern, werden Sie wissen, dass Ihr Baby „genug“ bekommt, wenn es in den ersten vier bis sechs Wochen pro Tag sechs bis acht Windeln nass macht und mindestens dreimal Stuhlgang hat. (Legen Sie die Windeln mit einem Tuch aus, wenn diese so saugfähig sind, dass Sie nicht erkennen können, ob sie schon nass sind.)

Ihr Baby sollte nach dem Füttern zufrieden sein und regelmäßig für weitere Mahlzeiten aufwachen. Spuckt Ihr Baby die Säuglingsmilchnahrung nach dem Trinken wieder aus, kann das bedeuten, dass es mehr getrunken hat, als sein Magen aufnehmen kann. Sollte dies öfters passieren, können Sie auch Ihren Kinderarzt kontaktieren.

Als Faustregel für die richtige Menge an Säuglingsmilchnahrung kann man im ersten Monat von ca. 150 ml pro Kilo Körpergewicht in 24 Stunden beziehungsweise 80–120 ml pro Mahlzeit ausgehen. Die Menge steigert sich bis zum zweiten Monat auf 120–180 ml (bis zu etwa 1 l pro Tag) und so weiter. Größere Babys brauchen eventuell etwas mehr. Hatte das Baby das Fläschchen einmal im Mund, muss darin übrig gebliebene Säuglingsmilchnahrung nach dem Füttern entsorgt werden, um das Bakterienwachstum und Nährstoffabbau zu vermeiden.

Bereit für feste Nahrung: In den ersten Lebensmonaten ist das Immunsystem von Babys noch nicht ausgereift. Muttermilch versorgt Ihr Baby mit den meisten Abwehrstoffen, die es braucht, Säuglingsmilchnahrung tut das nicht. Erhält Ihr Baby zu früh feste Nahrung, kann das Allergien auslösen, und außerdem sind in seinem Körper viele der Enzyme, die zur Verdauung von fester Nahrung benötigt werden, noch gar nicht in ausreichender Menge vorhanden, sodass feste Nahrung nicht angemessen verstoffwechselt werden kann. Vor allem ist ein Baby, das jünger als fünf Monate ist, noch gar nicht in der Lage, feste Nahrung aufzunehmen und zu schlucken. Wird sie dennoch angeboten, kann das Baby sich daran verschlucken, und es besteht Erstickungsgefahr.

Feste Nahrung verringert auch die Aufnahme von Muttermilch oder Säuglingsmilchnahrung. Diese enthalten jedoch wichtige Nährstoffe, die das Baby im ersten halben Lebensjahr unbedingt für eine optimale Entwicklung braucht. Muttermilch und Säuglingsmilchnahrung enthalten etwa 20 Kalorien pro 30 ml, während ein Esslöffel Babybrei nur etwa 16 Kalorien enthält. Im Alter von 2 Monaten wird Ihr Baby pro Mahlzeit 120–180 ml zu sich nehmen, also 80 bis 120 Kalorien, aber wenn es vom Babybrei schon satt ist, wird es nicht die benötigte Menge Milch oder Milchnahrung trinken. Es kann dann sein, dass Ihr Baby zwar gesund aussieht, aber dennoch mangelernährt ist.

Manche sehr großen Babys können früher mit Babybrei gefüttert werden als kleinere. Ihr Kinderarzt kann Sie beraten, wann Sie beginnen sollen. Bei zu früh geborenen Babys sollte man etwas länger warten, bevor man ihnen feste Nahrung anbietet. Auch wenn Ihr Baby mit 36 Wochen aus dem Krankenhaus entlassen wurde, ist es hinsichtlich seiner körperlichen Entwicklung noch immer vier Wochen jünger als ein voll ausgetragenes Kind. Geben Sie ihm Zeit, damit sein Körper die Entwicklung aufholen kann.

Feste Nahrung sollte als Ergänzung und nicht als Ersatz für Muttermilch oder Säuglingsmilchnahrung betrachtet werden. Letztere sollten von der Geburt an bis zum 12. Lebensmonat die Hauptnährstoffquelle bleiben.

Ihr Baby ist bereit für feste Nahrung, wenn ...
  • ... sich sein Geburtsgewicht verdoppelt hat.
  • ... es in einem Hochstuhl sitzen und seinen Kopf schon selbst hochhalten kann.
  • ... es seinen Mund öffnet, wenn man ihm einen Löffel hinhält.
  • ... es Nahrung, die Sie ihm in den Mund stecken, schlucken kann.
Babybrei sollte nicht aus dem Fläschchen gefüttert werden. Das Gerücht, dass Brei aus dem Fläschchen Ihr Baby die Nacht durchschlafen lässt, entbehrt jeglicher Grundlage. Wacht Ihr Baby hungrig auf, füttern Sie es. Anschließend wird es wieder einschlafen.

Vitamine: Muttermilch und Säuglingsmilchnahrung versorgen Ihr Baby in den ersten sechs Lebensmonaten ausreichend mit Vitaminen und Mineralien. Bei einigen Babys, die gestillt werden, ist jedoch die zusätzliche Gabe von Vitamin D empfehlenswert, und wenn Sie die Säuglingsmilchnahrung mit Wasser aus der Flasche oder Brunnenwasser mischen oder dem Leitungswasser an Ihrem Wohnort kein Fluorid zugesetzt wird, muss Fluorid ergänzt werden. Ihr Kinderarzt wird Ihnen Auskunft geben, ob solche Zusätze nötig sind.

Entspannen Sie sich, und genießen Sie die ersten sechs Lebensmonate Ihres Babys. Wächst es und ist es zufrieden und glücklich, können Sie sicher sein, dass Sie alles richtig gemacht haben!