Physische Entwicklung und Lernen
von Dr. Bettye M. Caldwell
Viele Kinder lernen das Krabbeln und das selbstständige Sitzen zur gleichen Zeit. Es dauert jedoch länger, bis sie das Krabbeln perfekt beherrschen, während ihnen das Sitzen ohne Hilfe schneller gelingt. Im Alter von sechs Monaten ist Ihr Kind in der Lage für einen kurzen Augenblick zu sitzen, aber bis es sich ausbalancieren kann, wird es noch eine Weile dauern. Wahrscheinlich wird Ihr Kind auch die Krabbelposition einnehmen, ohne jedoch zu wissen, wie es dann weitergeht. Zwar bezeichnet „krabbeln“ in der Regel die Fortbewegung auf Händen und Knien, viele Kinder nutzen jedoch auch andere Bewegungen, um dorthin zu kommen, wo sie hin möchten. Rollen, robben, auf dem Po rutschen (das Kind stößt sich im Sitzen mit einer Hand ab, um vorwärtszukommen) und auf den Ellbogen kriechen sind mögliche Fortbewegungstechniken, die Kinder statt des üblichen Krabbelns verwenden. Wundern Sie sich daher nicht, wenn Sie diese zuerst beobachten. Andere Kinder lernen, auf die ge­wöhn­liche Art zu krabbeln, finden dann jedoch heraus, dass sie auf Händen und Füßen schneller vorwärtskommen als auf Händen und Knien.

Möchte Ihr sechs Monate altes Kind an etwas gelangen, das sich außerhalb seiner Reichweite befindet, werden Sie vielleicht beobachten, dass es seine Knie unter seinen Körper zieht und sich mit den Händen aufstützt, wodurch es ihm oft auch gelingt, den Bauch vom Boden zu heben. Jetzt befindet sich Ihr Kind in der Krabbelposition, und Sie sollten es dazu ermutigen, sich tatsächlich vorwärtszubewegen. Mit neun Monaten stellen sich deutliche Fortschritte beim Krabbeln ein – allerdings bewegen sich die Kinder häufig zunächst rückwärts, weg von dem Gegenstand, den sie erreichen möchten! Kinder in diesem Alter können ihren Oberkörper besser kontrollieren als ihre Beine und drücken sich daher stärker mit den Händen und Armen als mit den Beinen ab – wodurch sie sich nach hinten schieben. Das ist kein Grund zur Sorge (und versuchen Sie auch, Ihr frustriertes Kind zu trösten!), denn diese Phase ist bald vorüber.

Der größte Vorteil, den Kinder im Hinblick auf das Entwickeln von Problemlösungen haben, ist, dass sich ihre großen und kleinen Muskeln im ersten Lebensjahr ständig weiterentwickeln, wodurch sie viele Herausforderungen immer leichter meistern können. Im einen Monat scheint das Aufeinanderstapeln von zwei Spielwürfeln noch eine geradezu unlösbare Aufgabe für Ihren kleinen Architekten zu sein, und nur wenige Wochen später stapelt er mit Leichtigkeit drei Spielwürfel aufeinander.

Im Alter von etwa zehn bis zwölf Monaten beginnt Ihr Kind, die Muskulatur seiner unteren Körperhälfte verstärkt zu trainieren. Ab jetzt können Sie seine Lieblingsspielzeuge auf das Sofa legen und Ihr Kind so ermuntern, sich hinzustellen, um die Spielzeuge zu erreichen. Auf diese Weise wird die Balance gefördert und die Beinmuskulatur gekräftigt, was das Spielen im Stehen ermöglicht – die Vorstufe zum Laufen. Hat Ihr Kind herausgefunden, wie es im Stehen die Balance halten und dann noch einen Fuß vor den anderen setzen kann, werden Sie ein stolzes Lächeln in seinem Gesicht aufleuchten sehen – Ihr Kind beginnt nun zu laufen. Wer hätte je gedacht, dass das so schnell klappen würde? Sobald diese Entwicklungsstufe erreicht ist, wissen Sie, dass Ihr Kind es tatsächlich „geschafft“ hat – ab jetzt beginnt ein neuer Abschnitt im Leben Ihrer Familie. Erzählen Sie anderen von diesem Erfolg, auf den Sie stolz sein können!