Mythen über das Muttersein
von Laura E. Stachel
Je näher Ihr Geburtstermin rückt, desto schwerer mag es Ihnen fallen, nicht von der perfekten Geburt, dem perfekten Baby und von sich selbst als der „perfekten Mutter“ zu träumen. Es ist zwar verlockend, sich dieses ideale Szenario vorzustellen, aber es ist auch wichtig, die Realität der ersten Mutterschaft anzuerkennen und Fakten von Fantasien zu trennen. Im Folgenden sollen einige verbreitete Mythen über die Geburt eines Kindes und die frühe Phase der Mutterschaft entzaubert werden:

Mythos 1: Ich kann den Verlauf der Geburt beeinflussen.
Einer der wenigen vorhersagbaren Aspekte einer Geburt ist, dass sich ihr Verlauf nicht vorhersagen lässt. Jede Geburt ist eine ganz individuelle Reise, und es ist kaum möglich vorauszuahnen, was einen erwartet. Einige Paare erstellen detaillierte Geburtspläne, in denen sie versuchen, alle möglichen Geburtsszenarien zu berücksichtigen. Viele Frauen sind fest entschlossen, keine Schmerzmittel zu nehmen, und haben das Gefühl versagt zu haben, wenn sie während der Geburtswehen ihre Meinung ändern. Es macht zwar Spaß, sich über den Wunschverlauf der Geburt Gedanken zu machen, am erfolgreichsten verlaufen Geburten aber, wenn Paare flexibel und offen dafür sind, sich auf ihre individuelle Geburtsreise zu begeben. Ich habe schon Paare erlebt, die nach einer wunderbaren Geburt enttäuscht waren, weil es während der Wehen eine leichte Abweichung von ihrem Geburtsplan gegeben hatte. Auf der anderen Seite gibt es Paare, die eine komplizierte Geburt als etwas begeisternd Schönes erlebt haben. Akzeptieren Sie, dass Sie den Verlauf der Geburt nicht bestimmen können und dass es viele Möglichkeiten gibt, eine wunderbare Geburt zu erleben.

Mythos 2: Ich werde sofort eine enge Bindung zu meinem Baby aufbauen.
Die Natur sorgt auf wunderbare Weise dafür, dass Eltern eine Bindung zu ihrem neugeborenen Baby aufbauen. Liebevolle Gefühle kommen jedoch nicht unbedingt sofort auf, sondern es dauert möglicherweise eine Weile, bis sie sich entwickeln. Mütter, die nach einer schweren Geburt erschöpft sind, Schmerzen haben oder Enttäuschung verspüren, brauchen Zeit, sich zu erholen. Während manche Mütter sofort Zuneigung zu ihrem Nachwuchs verspüren, brauchen andere Zeit, um ihre Reaktionen auf die Geburt zu verarbeiten und ihr Baby kennenzulernen. Falls Ihre Geburtserfahrung wesentlich von dem abweicht, was Sie erwartet haben, seien Sie nett zu sich selbst. Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie nicht sofort Liebe und Fürsorge für Ihr neugeborenes Baby empfinden. Diese Gefühle werden sich einstellen, wenn Sie bereit dafür sind.

Mythos 3 Mütter wissen intuitiv und von Natur aus, was ihr Baby braucht.
Manche Menschen haben viel Erfahrung mit Babys, andere nicht. Frauen, die selbst bereits reichlich Erfahrung mit der Betreuung von Neugeborenen haben, werden zweifellos sicherer im Umgang mit ihrem eigenen Baby sein. Falls Sie noch nicht so viele Gelegenheiten hatten, sich um ein neugeborenes Baby zu kümmern, sollten Sie ein wenig Erfahrung sammeln. Verbringen Sie Zeit mit einer Freundin, die ein Baby hat, oder besuchen Sie einen Babypflegekurs. Einige Krankenhäuser oder Hebammen bieten für junge Eltern Unterricht in der Gruppe oder auch Privatunterricht an. Sie zeigen Ihnen, wie Sie sich richtig um Ihr neugeborenes Baby kümmern, und auch, wie Sie häufig auftretende Probleme erkennen können und wie Sie damit umgehen sollten.

Mythos 4 Ich werde das perfekte Baby bekommen.
Wir alle wünschen uns das perfekte Baby, das sich in unseren Armen leicht beruhigen lässt, beim Stillen unkompliziert ist und nachts durchschläft. Doch trotz unserer größten Bemühungen lassen sich manche Babys nicht leicht beruhigen, einige leiden unter Koliken, andere entwickeln Allergien, und die meisten schlafen viele Monate lang nachts nicht durch. Das lässt sich ebenso wenig vorhersagen wie der Verlauf der Geburt. Hier sind Flexibilität und eine gehörige Portion Humor gefragt. Ihr Baby wird in Ihren Augen dennoch „perfekt“ sein.

Mythos 5: Ich werde meine frühere Figur sofort zurückerlangen.
Während der Schwangerschaft haben Sie monatelang zugenommen, und es wird mindestens so lange dauern, bis Ihr Körper wieder so aussieht wie vor der Schwangerschaft. Binden Sie sportliche Betätigung, wann immer möglich, in Ihren Tagesablauf ein, und ernähren Sie sich gesund und nährstoffreich, um Ihrem Körper genug Energie zuzuführen. Aber haben Sie Geduld. Es braucht Zeit, die während der Schwangerschaft gesammelten Pfunde wieder zu verlieren.

Mythos 6: Ich sollte immer glücklich sein und mir nicht anmerken lassen, was für eine große Herausforderung die Mutterschaft darstellt.
Die meisten Mütter erleben Freude und Erfüllung, aber Mutter zu sein bedeutet dennoch harte Arbeit! Für Ihr neues Familienmitglied müssen Sie rund um die Uhr in Abrufbereitschaft sein, was sehr anstrengend ist. Kommen dazu noch Ihre Pflichten im Haushalt und im Beruf, ist es nicht ungewöhnlich, dass Sie sich etwas überfordert fühlen. Bitten Sie liebe Freunde oder Verwandte, Ihnen in den ersten Wochen zu helfen, oder engagieren Sie eine kompetente Hilfskraft. Sie müssen nicht alles allein schaffen.